Artikel vom 06. March 2013 18:42, 863 mal gelesen
Landshut
Die große Nacht der Rock-Legenden
Tolle Sänger und ein grandioses Orchester: „Rock meets Classic“ war ein Erlebnis
Autor: Bernhard Beez
Ein echtes Rock-Spektakel lieferten die Musiker bei "Rock meets Clasic". (Fotos: Jens Niering)
Es war von der Besetzung her sicherlich die hochkarätigste Veranstaltung, die in der inzwischen achtjährigen Geschichte der Sparkassen-Arena bislang zu bestaunen war. Fünf absolute Legenden der Rockgeschichte standen am Dienstagabend auf der Bühne und präsentierten ihre größten Hits. Unterstützt wurden sie von einer harmonisch agierenden Begleitband, stimmgewaltigen Background-Sängern und dem schlicht grandios aufspielenden "Bohemian Symphony Orchestra" aus Prag. Höhepunkt der Produktion "Rock meets Classic" war für viele Besucher der Auftritt von Eric Bazilian.
Es waren nicht allein die Songs der Band "The Hooters", die den Auftritt des charismatischen Sängers aus Philadelphia am Ende des ersten Teils des Programms zu einem Erlebnis werden ließen. Bazilian beherrschte die Interaktion mit Orchester und Publikum perfekt. Für Staunen und auch jede Menge Gelächter sorgte er, als er die zweite Strophe von Alanis Morissettes Hit "What if god was one of us" auf Deutsch sang - streng wortwörtlich übersetzt, was zum Teil an eher zur Verwirrung beitragende "Google"-Interpretationen erinnerte.
Deutlicher war schon seine Aufforderung an das bis dahin noch ein wenig zurückhaltend agierende Publikum: "Ich will jetzt eure Är... sehen" - was sich auf Englisch ("I want to see your butts") nur wenig vornehmer anhörte. Aber es wirkte: Zu seinen großen Hits wie "All You Zombies" und "Johnny B" wurde begeistert mitgetanzt, mitgeklatscht und mitgesungen.
Doch auch die übrigen Künstler standen dem US-Amerikaner kaum nach. Den Auftakt machte Chris Thompson von "Manfred Mann's Earth Band". Mit Klassikern wie "I came for you" oder "Davy's on the road again" war es das richtige Aufwärmprogramm für diesen Abend. Am Samstag feiert Thompson seinen 66. Geburtstag, doch immer noch fegt der Brite wie ein Derwisch über die Bühne. Wie sehr die Stimmung im Saal sich an diesem Abend immer mehr steigerte, war anhand seines Auftritts gut zu erkennen. Denn Thompson war der einzige Rockstar, der zweimal auf der Bühne stand. Verhielten sich die Besucher zu Beginn noch freundlich-abwartend, gab es nach der Pause kein Halten mehr. Geradezu frenetisch wurde der große MMEB-Hit "Mighty Quinn" bejubelt.
Frenetischer Jubel
Eher unbekannt war vielen Besuchern wohl Steve Auguri von der Rockband "Journey". Der Aha-Effekt trat aber schnell ein - bei "Wheels in the sky" oder vor allem bei "Don't stop believing". Die Single aus dem Jahr 1981 hat seit einiger Zeit wieder ungemein an Popularität gewonnen - dank der erfolgreichen US-Serie "Glee", zu dem der Song die Titelmelodie wurde. Dass auch Bonnie Tyler nichts verlernt hat, bewies sie im zweiten Teil des Programms. Als "Special Guest" angekündigt, zog sie mit ihrer unvergleichlich rauchigen Stimme das Publikum sofort mit der Hymne "Total eclipse of the heart" in ihren Bann. Etwas schade war es, dass sie bereits nach vier Songs die Bühne wieder verließ.
Es war ein Abend nahe der Perfektion, und er verging wie im Fluge. Rockige Nummern wechselten sich mit sanften Balladen ab, allen Beteiligten war eine schier unglaubliche Spiel- und Gesangsfreude anzumerken. Großartig auch das Prager Orchester, das die Künstler nicht nur begleitete, sondern zwischen den Auftritten der Solisten mit den mitreißenden Melodien aus "Fluch der Karibik" brillierte. Hier durfte man auch feststellen, wie gut die Akustik in der Sparkassen-Arena sein kann, wenn absolute Vollprofis am Werk sind.
Will man auf hohem Niveau ein wenig herummäkeln, so kann man feststellen, dass die Wahl von Paul Rodgers zum Haupt-Act nicht ganz geglückt war. Musikalisch war es sicher vollauf in Ordnung, aber bei den Songs der Bands "Free" oder "Bad Company", in denen Rodgers Sänger war, wollte der Funke nicht so recht überspringen. Abgesehen von "All right now" - hier kamen alle Künstler noch einmal gemeinsam auf die Bühne und erhielten zum Abschluss dieser zweieinhalbstündigen Konzertnacht ihre verdienten stehenden Ovationen.
Resonanz enttäuschend
"Eine solche Besetzung wird man in Landshut lange nicht mehr erleben." Wie wohl fast alle Besucher war auch Hans Huber von der Messegesellschaft hellauf begeistert. Der Wermutstropfen für den Veranstalter: Im Gegensatz zu den fast komplett ausverkauften weiteren Tourneeorten waren lediglich rund 1500 Zuschauer in die Sparkassen-Arena gekommen. Und wie man an den MÜ- oder ED-Kennzeichen der parkenden Fahrzeuge vor der Halle sehen konnte, stammten viele Besucher zudem aus dem angrenzenden oberbayerischen Raum. Offenbar muss man akzeptieren, dass der geneigte Landshuter wohl mehr auf Unterhaltung à la Cindy aus Marzahn oder Bülent Ceylan steht. Künstler dieser Art schaffen es nämlich problemlos, die Sparkassen-Arena komplett zu füllen - wenn nötig auch zweimal.
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