Artikel vom 07. March 2013 18:03, 400 mal gelesen
Bad Kötzting.
Fischadlerhorst für Ferdi
Stadt demonstriert „Storchen-Sympathie“ und errichtet in Windeseile neuen Nistplatz
Autor: Doris Zitzelsberger
Zum Schluss ziehen LBV und Stadt an einem Strang und bringen einen Fischadlerhorst auf dem Rathausdach an (v.l.): Markus Schmidberger, Bürgermeister Wolfgang Ludwig, Manfred Nothaas, Heribert Mühlbauer und Karlheinz Schindlatz. (Foto: Zitzelsberger)
Die Nachricht von der ordnungswidrigen Entfernung des Storchenhorstes auf dem Rathausdach sorgte für Furore und fette Schlagzeilen: Auch überregionale Medien griffen das Schicksal von Ferdi auf, dem quasi kurz vor seiner Rückkehr aus dem Winterurlaub fristlos das Domzil in der Kurstadt "gekündigt" wurde. "Bei uns liefen den ganzen Tag über die Drähte heiß", berichtet Markus Schmidberger von der LBV-Kreisgruppe Cham fast atemlos. Doch die Aufregung hatte ihr Gutes: Ebenso "unbürokratisch", wie das Nest am Mittwoch abgeräumt wurde, montierte man bereits einen Tag später ein niegelnagelneues Zuhause für Meister Adebar aufs Rathausdach.
Bereits beim Telefonat mit Markus Schmidberger am späten Donnerstagvormittag zeichnet sich eine Lösung ab. "Die Stadt zeigt sehr hohe Kompromissbereitschaft", informiert Schmidberger voller Freude. Am nächsten Tag würde man sich mit jeweils einem Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde und der Stadt treffen, um Nägel mit Köpfen zu machen. Der LBV habe sogar ein ganz besonderes Präsent für die Stadt: einen Fischadlerhorst.
Horst aus Menschenhand
Um den ebenfalls geschützten Fischadler beim Brüten zu unterstützen, erwarb der LBV im letzten Jahr einen künstlichen Horst, der ursprünglich auf den verbandseigenen Flächen in den Regentalauen hätte aufgestellt werden sollen. "Daraus wurde dann doch nix und jetzt haben wir den Horst im Schuppen stehen", so Schmidberger und beginnt zu schwärmen, "dabei handelt es sich um einen sehr schön geflochtenen Weidenkorb, eine wirklich wunderbare Handwerkskunst aus Baden-Württemberg."
Der Horst soll nach Meinung der Vogelschützer genau da angebracht werden, wo sich das Vorgängermodell befand. Denn: "Ein Storch sucht sich nicht irgendeinen x-beliebigen Platz zum Brüten aus, sondern den perfekten." Er lasse sich exakt dort nieder, wo er einen rundum idealen Überblick hat. "Außerdem ist der Storch ein großer Segler und benötigt eine ganz bestimmte Anflugschneise." Der von Menschhand gefertigte Horst besitze außerdem den Vorteil, dass keine Äste nach unten purzeln. "Wobei ich noch nie gehört habe, dass ein Mensch von Stöckchen aus Storchennestern verletzt worden wäre", wundert sich Schmidberger.
Genervt klingt Bürgermeister Wolfgang Ludwig beim Telefonat kurz vor Mittag: Man sei "an einer Lösung nah dran", mehr erfahre man bei einer am Montag anberaumten Pressekonferenz. Aber - siehe da: Kaum eine halbe Stunde später kommt ein Anruf aus dem Rathaus, noch am selben Tag um 16 Uhr werde der Horst montiert.
Und dann ist es so weit: Feuerwehr, Bauhof-Mitarbeiter, Stadtbaumeister Christian Costa, die LBV-Funktionäre Heribert Mühlbauer, Markus Schmidberger und Karlheinz Schindlatz, Manfred Nothaas von der Unteren Naturschutzbehörde und Bürgermeister Ludwig sehen dabei zu, wie der Weidenkorb per Drehleiter nach oben gebracht und auf dem Kamin befestigt wird.
Ende gut, alles gut
LBV-Kreisvorsitzender Heribert Mühlbauer freut sich über die "schnelle Lösung" und macht dem Bürgermeister ein Kompliment: "Hut ab, das ging ja wirklich rasch und unkompliziert!" Auch Ludwig betont, dass man nie etwas gegen Störche gehabt hätte, sondern nur das kaputte Nest aus Sicherheitsgründen entfernt habe. Ein Verfahren wegen Ordnungswidrigkeit werde man wohl nicht einleiten, gab Manfred Nothaas Auskunft. Das gäbe es nur, wenn der Nistplatz beseitigt worden wäre. "Aber schließlich war der Horst ja nur für einen Tag weg und jetzt gibt es sogar einen neuen, schöneren und dauerhaften." "Einen, der besser für den Storch und sicherer für die Menschen ist", pflichtet Ludwig ihm bei. Ende gut, alles gut.
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