Artikel vom 07. March 2013 07:38, 1176 mal gelesen
Assistenten Abseits
Schläge für Kitty
Zwei Frauen geben auf der Südtribüne den Takt vor: Mit Gefühl und Trommelschmuck
Autor: Christian Geist
Tanja Altmann (links) und Daniela Ebner (2. von links) wechseln sich wöchentlich an der Trommel ab. Im Laufe der Saison schmerzen ihre Hände zwar weniger, trotzdem kratzt nach einem spannenden Spiel wie gegen Augsburg jedes Wort im Hals.
Ein erster Aufschlag. Zurückgeschmettert! Es folgt sofort der nächste. Wieder zurückgeschmettert! Immer und immer wieder kracht es im Eisstadion auf der Südtribüne. Die blechernen Werbetafeln über den Köpfen der Fans schmettern den Schall jedes einzelnen Trommelschlags zurück in den Unterrang. Wer sich zu Tanja Altmann und Daniela Ebner stellt, hat entweder ein dickes Fell oder ist durch und durch Fan. Oder beides.
"Die Männer haben sich alle gedrückt", erklärt Daniela Ebner, wie sie und Tanja Altmann zu den einzigen Trommlerinnen am Pulverturm wurden. 2009 gründete sich der Fanclub Blue Front, dem Daniela Ebner angehört. Als der damalige Fanbeauftragte Peter Saller eine Trommel als Geschenk zum Gründungsfest des Fanclubs mitbrachte, musste jemand an die Schlägel.
Vom Fanfarenkorps in die Fankurve
Daniela Ebner hatte im Spielmannszug des Freien Fanfarenkorps bereits Trommelerfahrung gesammelt, was ihr zwar hilft, aber nicht wirklich notwendig sei. "Da wir die Lieder immer mitgeklatscht haben", sagt Tanja Altmann, "klappt das schon". Die Initiative ergreifen sie nur, wenn es im Fanblock still zu werden droht. Ansonsten beschreiben sie den Job an der Trommel in Schlagworten: schauen, zuhören, nachmachen! "Wir schau'n rüber in die Fankurve", sagt Daniela Ebner, "und dann versuch ma eini zu kemma", ergänzt Tanja Altmann. Da sie mehr als eine halbe Eisfläche von der Westkurve getrennt stehen, kommt die Synchronität dann und wann zu kurz. Dann schreien sie noch "Auf geht's Straubinger Jungs, schießt ein Tor für uns", während die Fans am anderen Ende des Stadions schon "EHC Straubing, schalalalalala" auf die Melodie von Frankie Vallis "Can't take my eyes off you" gröhlen. Einheitlich schallen die Trommelschläge spätestens durchs Stadion, wenn die Fans jeden einzelnen Zuschauer lautstark animieren, aufzustehen, wenn er denn ein Tiger ist.
Mehr aus der Tagblatt-Serie "Assistenten Abseits":
Sind die Tigers zahm, wird's bei den Zuschauern laut
Dabei kennen die beiden Trommlerinnen kein Erbarmen. "Es gibt tatsächlich Leit, die zu uns kimma, wir sollen heit bitte net so laut trommeln", sagt Tanja Altmann voller Unverständnis. Und Daniela Ebner stellt klar: "Aber mia sind ja da, um Stimmung zu machen." Manch einer behelfe sich mit Tempo in den Ohren, andere suchten irgendwann sogar das Weite, wenn die Frau an der Trommel ordentlich draufhaut. "Ein bisserl Aggressivität brauch ich ehrlich gesagt scho. Wenn ich mich ärgern muss, hau ich fester eini", erklärt die 33-jährige Daniela Ebner. Ihre sechs Jahre jüngere Kollegin sieht das nicht ganz so. Sie lässt den Schlägel umso kräftiger auf das Fell hinuntersausen, je besser die Mannschaft spielt.
Hello Kitty klebt neben Barry Brust
Damit sich die Schläge der beiden Frauen noch tiefer in den Gehörgängen der Tigersanhänger festkrallen, haben männliche Kollegen aus dem Fanclub die Trommel modifiziert. Das untere Fell wurde herausgeschnitten und Schaumstoff im Inneren befestigt. "Das macht den Klang noch dumpfer", meint Daniela Ebner. Ganz alleine lassen sie die Männer aus dem Fanblock also doch nicht. "Fechi" nimmt das unhandliche Instrument sogar mit nach Hause und bringt es beim nächsten Spiel zurück an den angestammten Platz der Frauen. Trotzdem werden die Taktgeberinnen hin und wieder von männlichen Kollegen belächelt. Aber nur für ihren Trommelschmuck! Denn neben Autogrammen von Tigersspielern wie Barry Brust und Carsen Germyn, einem Aufkleber der Blue Supporters Garmisch und dem Slogan "I love Indians Hannover" prangen auf der Trommel vier pinkfarbene Hello-Kitty-Sticker. Klingt nach trommelnden Mädchen, für einen Moment.
Blasen an den Händen und Muskelkater in den Fingern und in den Oberarmen: Je länger die Sommerpause war, desto stärker leiden die Frauen zu Saisonbeginn. Und trifft der Unterarm mal auf die Trommelkante, gibt's sofort blaue Flecken. Da helfen auch Radl-Handschuhe nicht. Seit der Saison 2010/2011 wechseln sich die Beiden Heimspiel für Heimspiel an den Schlägeln ab. Jedes Spiel zu trommeln, das kam für Daniela schon zeitlich nicht in Frage. Sie ist Bauherrin und ihre Freundin Tanja Mutter: Auswärts fahren sie deshalb nur selten, außer in den Play-Offs. Ob die Tigers diesen Sprung noch schaffen? "Da schau ma mal!"
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