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Artikel vom 08. March 2013 07:46, 456 mal gelesen

Cham

Ein OB-Favorit im Wellental

Wie der Anwalt Jürgen Linhart ohne eigenes Zutun ins mediale Zwielicht geraten ist

Autor: Wolfgang Fischer
Jürgen Linhart.

Jürgen Linhart.

"Plötzlich schlagen Dinge neben dir ein, damit hättest du nie gerechnet." Jürgen Linhart, Rechtsanwalt und CSU-Kreisrat in Cham, hat zwei nervenaufreibende Wochen hinter sich. Weil er als Regensburger Oberbürgermeisterkandidat gehandelt und nahezu gleichzeitig in der Domstadt eine Villa durchsucht wurde, in der sich auch die Kanzlei von Linhart und Kollegen mit dem Namen BLTS befindet, haben ihn Medien in die Nähe des vielleicht größten Anlegerbetrugs der Bundesrepublik gerückt. "Dabei haben weder ich noch unsere Kanzlei mit einem Anlegerbetrug das Geringste zu tun", stellt der gebürtige Eschlkamer, von uns um ein Interview gebeten, fest.

So direkt hat diesen Vorwurf zwar niemand erhoben, doch wird mit dem Hinweis auf persönliche Verflechtungen zumindest der Verdacht genährt, Linhart und die von ihm und drei Partnern 2002 mit dem Hauptsitz in Regensburg und einer Filiale in Cham gegründete Rechtsanwaltskanzlei BLTS könnte irgendwie in den Skandal um die betrügerische "S&K" verwickelt sein.

Kein Ganzkörperscreening bei den Mandanten

Linhart räumt ein, ein Partner der Kanzlei habe die "S&K" 2012 im Rechtsstreit mit einem Internetportal vertreten, wobei es um eine Unterlassungserklärung ging. Er persönlich habe damit nichts zu tun gehabt, sein Spezialgebiet seien Verwaltungs-, Bau-, Architekten- und Agrarrecht. Trotzdem sei auch ihm klar gewesen, räumt der 39-Jährige ein, dass die Geschäftspraxis von "S&K" schon damals teilweise recht kritisch betrachtet wurde. "Aber", so Linhart, "wir können nicht jeden Mandanten einem Ganzkörperscreening unterziehen und im Grunde geht's uns auch gar nichts an." Dann aber kamen mindestens zwei Umstände zusammen, die ihn und die Kanzlei BLTS auf dem Radarschirm der Medien auftauchen ließen. Das war zum einen die Person von Dr. Gero Kollmer.

Kollmer "einvernehmlich als Partner entlassen"

Der war, als Fachanwalt für Mietrecht, von 2007 bis Ende 2011 Partner in der Kanzlei BLTS, um dann "einvernehmlich aus der Partnerschaft entlassen zu werden", wie es Linhart diplomatisch formuliert. Kollmer wollte, wie er selbst zu sagen pflegte, "nicht auch noch in 30 Jahren ein low performer in der Provinz sein". Da passte offenbar sein Lebensbild nicht mit dem von Linhart zusammen, der sich als bodenständiger Anwalt sieht und hauptsächlich Mittelständler aus der Region vertritt. Die Trennung verlief dann auch alles andere als harmonisch. Räumlich waren sich die BLTS und Kollmer aber weiter nahe, da dieser ein Büro im gleichen Gebäude, einer Villa in der Kumpfmühler Straße in Regensburg, bezog. Auch wenn er hier nur wenig Zeit verbracht haben dürfte, da er überwiegend in Frankfurt tätig war, wie Linhart weiß.

Als dann aber die Büroräume Kollmers durchsucht wurden, konzentrierte sich das Interesse der Medien auch auf die BLTS. Vor allem wohl deshalb, weil einer der vier Partner - nämlich Jürgen Linhart - seit Wochen als heißer Kandidat und sogar Favorit auf die Nachfolge des Regensburger Oberbürgermeisters Hans Schaidinger gehandelt wurde.

Die Kandidatur sei ihm, erzählt Linhart, im Laufe des Jahres 2012 vom CSU-Kreisvorsitzenden Armin Gugau völlig überraschend angetragen worden. Im Hintergrund spielte dabei das tiefe Zerwürfnis in der Regensburger CSU eine Rolle. Bekanntlich haben sich Schaidinger und sein erklärter Favorit auf die Nachfolge, Fraktionschef Christian Schlegl, seit Jahren mit einem großen Teil der Domstadt-CSU überworfen. Das mündete in die Gründung der Liste "Bürger für Regensburg", einer Abspaltung der CSU. Der Riss geht dem Vernehmen nach inzwischen durch die ganze Stadt.

Also suchte die CSU einen externen Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt und kam auf Linhart. Der sagte nicht gleich kategorisch "Nein", hatte als Bezirks- und stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union politische Erfahrungen und als Jurist auch verwaltungstechnische und -rechtliche Kompetenzen vorzuweisen. "Obwohl ich mich persönlich noch in keinem Ortsverband vorgestellt habe, wurde und werde ich als Favorit gehandelt", wundert sich Linhart. Er fühle sich geehrt, sagt der Chamer, hat aber in den zurück liegenden Tagen die Kehrseite der Medaille gesehen. Ein designierter Oberbürgermeisterkandidat ist eben für viele Medien ein gefundenes Fressen, selbst wenn er in einem Betrugsskandal nicht einmal Zeuge und schon gar nicht Beschuldigter ist.

Politisches Netzwerk unter Dach der Rupertia?


Wobei - als dritte Komponente - die Studentenverbindung Rupertia ins Spiel kommt. Hier ist Linhart Mitglied seit seinem Studium, ebenso Kollmer, genau wie CSU-Kreisvorsitzender Gugau und nicht zuletzt Thomas Fürst, der - inzwischen aus der CSU ausgetreten - ein gerüttelt Maß zur Spaltung bei den Regensburger Christsozialen beigetragen hat. Will dieses Netzwerk mit Jürgen Linhart einen der ihren auf den Chefsessel im Rathaus hieven? Linhart weist das entschieden zurück. Fürst sei zwar in der Rupertia sein "Leibvater", doch dahinter verberge sich lediglich eine Art Tutor, der Studenten in ihren ersten Jahren mit Rat und Tat zur Seite stehe. Mit Fürst verbinde ihn heute nicht viel mehr als mit den gut 400 anderen Mitgliedern der katholischen Studentenverbindung, zu denen unter anderem auch Papst Benedikt XVI. zähle.

Er treffe Fürst zwei- oder dreimal im Jahr, meist zufällig. Sein Verhältnis zu dem früheren CSU-Strippenzieher würde viel zu sehr "mythologisiert".

Auch wenn Linhart in den zurückliegenden Tagen von seinen Mandanten viel aktiven Zuspruch erfahren hat und kein einziger abgesprungen ist, sind in ihm Zweifel gewachsen, ob er als Oberbürgermeisterkandidat in den Ring steigen soll. "Ich werde den Verantwortlichen und dann auch der Öffentlichkeit vielleicht schon im März meine Entscheidung bekanntgeben", kündigt Linhart an.

Kommentare zum Artikel


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von Ismir Übl am 17. March 2013 00:41
kein einziger?

also doch einige! weniger

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Cham, Bayern, Deutschland

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