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Artikel vom 08. March 2013 08:33, 279 mal gelesen

Regensburg

Rassisten müssen draußen bleiben

SPD-Obfrau im NSU-Ausschuss lobt Wirte-Initiative – Zschäpe in einem Lokal gesichtet

Autor: uft
Eva Högl (Dritte von rechts), SPD-Obfrau im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags, traf sich mit Politikern aus der Region und Vertretern des Bündnisses "Keine Bedienung für Nazis" im Café Picasso in Regensburg. (Foto: uft)

Eva Högl (Dritte von rechts), SPD-Obfrau im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags, traf sich mit Politikern aus der Region und Vertretern des Bündnisses "Keine Bedienung für Nazis" im Café Picasso in Regensburg. (Foto: uft)

Jeder Einzelne hat die Möglichkeit, Nazis die rote Karte zu zeigen. Das betonte Dr. Eva Högl, SPD-Obfrau im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags, am Donnerstag bei ihrem Besuch in Regensburg. "Wir müssen die öffentlichen Räume für Rechtsextreme verschließen", forderte sie. Als bestes Beispiel für aktive Zivilcourage bezeichnete sie das Regensburger Bündnis "Keine Bedienung für Nazis".

Über 130 Gastronomen beteiligen sich mittlerweile an der Aktion. Mit einem Sticker an der Tür machen sie deutlich, dass für rechtsextreme Gäste kein Platz in ihrer Gaststube ist. Ausgangspunkt für die Initiative war 2010 der Überfall von Neonazis auf den Barkeeper des Cafés Picasso in der Regensburger Innenstadt. Der Barkeeper hatte zuvor eine schwarze Frau und deren Kind vor der pöbelnden Nazigruppe in Schutz genommen.

Beinahe dazu bewegt, das Land zu verlassen


Der Überfall - und auch später das vergleichsweise milde Urteil gegen die Täter - haben Café-Besitzer Zion Israel beinahe dazu bewegt, Deutschland zu verlassen, wie er im Gespräch mit Högl deutlich machte. Doch der Vorfall brachte auch eine große Solidarität unter den Regensburgern und den Gastronomen zum Vorschein. In der Innenstadt seien die Rechtsextremen heute viel weniger präsent, betonte Israel.

"Die Wirte-Initiative ist ein tolles Beispiel dafür, wie man zeigt, dass wir dieses braune, verbrecherische Gedankengut nicht haben wollen", sagte die Schwandorfer SPD-Bundestags-Abgeordnete Marianne Schieder, die die NSU-Expertin Högl in die Oberpfalz eingeladen hatte. Schieder betonte, dass auch die Region zwischen Regensburg und Weiden "kein unberührter Landstrich" sei, was die Aktivitäten von Rechtsextremen angeht. Die Szene sei unter anderem in Schwandorf, Cham, Amberg und Weiden aktiv. "Es ist Vorsicht geboten." Von einem besonders schockierenden Detail berichtete Helga Hanusa vom Bündnis "Keine Bedienung für Nazis": Ein ihr bekannter Regensburger Wirt mit Migrationshintergrund glaubt, dass die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe zwei oder drei Mal zu Besuch in seinem Restaurant war. Zschäpe habe ihn auf eine Art gemustert, wie er das vorher noch nie erlebt hatte, hatte der Restaurantbesitzer Hanusa erzählt.

Die Geringschätzung der Opfer ist ein Grund


Zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt wird Zschäpe heute für zehn NSU-Morde verantwortlich gemacht. Wie kam es dazu, dass das Trio jahrelang unerkannt morden konnte? Nach einem guten Jahr Arbeit im NSU-Untersuchungsausschuss stellt die SPD-Politikerin Högl fest: "Einen einzigen Fehlerknoten gibt es nicht." Vielmehr hätten die Sicherheitsbehörden in mehreren Bundesländern sowie auf Bundesebene flächendeckend versagt.

"Überall wurde in die falsche Richtung ermittelt." Aus Sicht von Högl liegen die Gründe dafür in der Verharmlosung von Rechtsextremismus sowie in der Geringschätzung der Opfer.

Vor diesem Hintergrund forderte sie, Initiativen wie "Keine Bedienung für Nazis", die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, finanziell kräftiger und langfristiger zu unterstützen.

Kommentare zum Artikel


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von herbie am 10. March 2013 07:42
Rassisten müssen draußen bleiben

immer interessant zu verfolgen, wenn parteipolitik und selbsternannte "fachleute" ihren senf zu irgendwelchen,für sie eigentlich nicht erklärbaren sachlagen abgeben. da werden schuldzuweisungen in extremster ...mehr form an den eigentlichen schuldursachen vorbei abgegeben - da werden andere menschen in genau dieses gefüge gepresst, dass man eigentlich anfeindet. aber hauptsache, ich habe meinen kommentar in form der mir vorgeschriebenen parteidenkweise abgegeben. da bin ich jetzt wer!!!!!! hauptsache, an den wirklichen ursachen wurde vorbeigeredet. weniger

Antworten Lesenswert (2)
von Samuel Bernstein am 09. March 2013 08:36
mich würde mal interessieren ...

... wenn ein Wirt einen Aufkleber an seiner Tür anbringt mit "Islamisten werden hier nicht bedient". Mal ehrlich: Wenn der Wirt seinen Aufkleber ernst nimmt, egal ob mit Rassisten wie hier oder mit Islamisten: ...mehr Woran erkennt er diese? Und zeigt man als Wirt mit genau so einem Aufkleber nicht auch rassistisches Verhalten, nämlich vorsätzliche Ausgrenzung (sprich: Diskriminierung) von Menschen, welche nicht bedient werden? Aber genau das wird ja Rassisten und Islamisten zum Vorwurf gemacht! Ich würde sagen: Ein klassisches Eigentor! Dieser Verein und seine Wirte wollen sich als Gutmenschen, als die Braven und Anständigen zeigen. In Wirklichkeit bedienen sie sich derselben Mittel wie jene, von denen sie sich abgrenzen wollen. weniger

Antworten Lesenswert (10)
von guckstdu am 08. March 2013 11:27
und jede Kneipe die keinen Aufkleber an der Tür hat ?

also ist im Umkehrschluß jede Kneipe die keinen solchen Aufkleber an der Tür kleben hat automatisch eine Nazikneipe oder ? So sieht Gruppenzwang live aus. Du bist nicht mit uns also musst du zwangsläufig ...mehr gegen uns sein. Das alles hatten wir in umgekehrter Form doch schon mal.... weniger

Antworten Lesenswert (9)
Antwort von Samuel Bernstein am 08. March 2013 13:43

Das ist DEIN Umkehrschluss, der aber völlig falsch ist ... weniger

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