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Artikel vom 08. July 2012 13:46, 187 mal gelesen

„Lebe deine Träume“

Wally Klee war Krankenschwester in einem Hospital in einer Goldgräberstadt in Kanada

In Falkenfels hat Wally Klee ihre Wahlheimat gefunden. "Hier erinnert mich vieles an meine Heimat im Harz und vieles könnte auch Kanada sein."

In Falkenfels hat Wally Klee ihre Wahlheimat gefunden. "Hier erinnert mich vieles an meine Heimat im Harz und vieles könnte auch Kanada sein."

Noch heute blitzen Neugierde und Unternehmungslust aus den Augen der 75-Jährigen. Wally Klee trägt einen pfiffigen Kurzhaarschnitt, hat eine E-Mail-Adresse und fuhr bis vor Kurzem Quad. Ihr liebstes Hobby ist das Reisen und ihr Leitspruch: "Keep the dream alive!" frei übersetzt "Lebe deine Träume!" hat sie mit 20 Jahren - 1958 - dazu gebracht, nach Kanada auszuwandern. Über ihre Abenteuer dort hat die gebürtige Ostdeutsche, die in Falkenfels ihre Wahlheimat gefunden hat, ein Buch mit dem Titel: "Nurse - Erinnerungen einer Krankenschwester" geschrieben.

"Ich wollte schon immer nach USA, am liebsten nach New York zu meiner Patentante." Statt in der Großstadt landete sie jedoch durch eine Fügung des Schicksals in Bralorne, einer Goldgräberstadt mitten im Busch. "Zu Beginn war das wirklich ein Schock", gesteht sie. "Doch dann habe ich diese Gegend lieben gelernt und noch heute ist British Columbia meine zweite Heimat." Geprägt haben sie vor allem die Menschen dort - die Goldgräber und die Indianer.


Wally Klee war Krankenschwester in Kanada (3 Einträge)

 

Bei 20 Grad minus ein Baby im Auto entbunden

Sie erinnert sich an einige, sehr menschliche Erlebnisse, zum Beispiel, als ein alter Goldgräber den Krankenschwestern sein Erbe hinterließ, damit sie ein Schwesternwohnheim bauen konnten. Und noch heute schwärmt Wally Klee von der atemberaubenden Landschaft der Rocky Mountains und erzählt von den oft nicht ganz ungefährlichen Erlebnissen mit den Bären. Erschütternd ist ihre Geschichte von dem kleinen Indianerjungen Ambrose, den die Krankenschwestern gemeinsam in einem Hospital in der Prärie ein Jahr lang großzogen, nachdem ihn seine Mutter nach der Geburt verlassen hatte, und ihn dann seinem Schicksal überlassen mussten, das ihm den viel zu frühen Tod brachte. Von den Cree-Indianern lernte Wally Klee auch die indianische Sprache. Sie durfte ihre Feste besuchen und einmal half sie einer Indianerin, bei 20 Grad minus, ihr Baby im Auto zur Welt zu bringen.

Insgesamt rund zehn Jahre ihres Lebens verbrachte Wally Klee in Kanada und den USA. Neben den vielen schönen Erlebnissen war diese Zeit auch mit viel persönlichem Leid und Schrecken verbunden: Ihre Freundin, die sie noch aus Deutschland kannte und die ihr bei der Auswanderung geholfen hatte, starb bei einem Lawinenunglück, und ihr Verlobter, der bei der berittenen Polizei seinen Dienst tat, kam bei einer Fahrzeugkontrolle ums Leben. Oft plagten die junge Frau auch Sorge und das Heimweh nach ihrem Bruder und den Eltern, die zu DDR-Zeiten, bald nach Wally Klees Flucht mit fast 17 Jahren von Stolberg im Harz nach Trier in Westdeutschland, als politische Gefangene eingesperrt wurden.

"In einem Koffer war mein ganzes Leben"

Obwohl Wally Klee ursprünglich ohne ein Wort Englisch zu können und ohne Geld in der Tasche in Amerika ankam - "in einem Koffer war mein ganzes Leben" -, hat sie es mit ihrem beruflichen Ehrgeiz zu Wohlstand gebracht. Von British Columbia in Kanada führte sie ihr Weg in die USA nach Kentucky und Kalifornien. Sie war sogar zu Lyndon Baines Johnsons Zeiten zu Besuch im Weißen Haus in Washington und lebte in Los Angeles im Viertel der Reichen, weil sie sich dort als Krankenschwester um ein älteres Ehepaar kümmerte. "Dort wurde ich gut bezahlt und so habe ich dort eingekauft, wo auch die Reichen einkaufen. Ich bin jeden Tag an Elvis Presleys Haus vorbeigefahren und habe Jerry Lewis gesehen, wenn er sich morgens im Bademantel die Zeitung holte."

Das Buch von Wally Klee "Nurse - Erinnerungen einer Krankenschwester", 165 Seiten, ist im Jahr 2000 im WMV Verlag in Bretten erschienen. ISBN 3-9806510-4-5.

Das Buch von Wally Klee "Nurse - Erinnerungen einer Krankenschwester", 165 Seiten, ist im Jahr 2000 im WMV Verlag in Bretten erschienen. ISBN 3-9806510-4-5.

"Der Schlingel wollte nicht mit mir nach Amerika"

1962 arrangierte Klee gemeinsam mit ihrem Vater, der bereits in der Nähe von Karlsruhe lebte, die Flucht ihrer Mutter und ihres Bruders in den Westen. In Bretten fand die Familie ein neues Zuhause. Und weil sie sich um ihre kranken Eltern kümmern wollte, kehrte Wally Klee Anfang der 70er-Jahre wieder zurück nach Deutschland. Hier arbeitete sie wieder in einem Krankenhaus und lernte nach einiger Zeit auch ihren heutigen Mann kennen. "Und der Schlingel wollte nicht mit mir nach Amerika." Kurz nach ihrem 37. Geburtstag ging schließlich noch ihr Wunsch nach einem eigenen Kind in Erfüllung. Und um ihrem Sohn ihre Erinnerungen zu hinterlassen, hat Wally Klee auch ihr Buch geschrieben. "Ich bin seit 1997 im Ruhestand und da hatte ich schließlich die Zeit dazu. Dass tatsächlich ein richtiges Buch daraus werden würde, daran habe ich anfangs nicht gedacht." Ihr Sohn und seine Frau haben heute ein Haus in Falkenfels und um in der Nähe ihrer Familie zu sein, ist Wally Klee mit ihrem Mann auch vor eineinhalb Jahren nach Falkenfels gezogen. Allerdings in eine Wohnung: "Ich will kein eigenes Haus. Frei wie ein Vogel, das möchte ich immer sein."
Von Sonja Hauenstein

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