Klassensprecher, Schülersprecher & Co.
Halbstark oder hilfreich: Landtagsabgeordnete und ein Professor der Uni Passau zu Schülervertretern
4. Februar 2021, 17:55 Uhr aktualisiert am 14. Januar 2022, 14:54 Uhr
Leonie Brandl diskutiert mit der Schulleitung, besänftigt wütende Jugendliche und trägt deren Frust vor die Lehrer. Wir sprachen mit ihr und ihrem langjährigen Kollegen, dem ehemaligen Landesschülersprecher Joshua Grasmüller. Am 5. Februar 2021 erschienen die Interviews in der Freistunde. Lies hier, was ein Professor und zwei Politiker zu ihrer Arbeit und der anderer Schülervertreter sagen.
Gleichaltrige lernen von Gleichaltirgen
Prof. Dr. Maximilian Sailer von der Uni Passau hält Schülervertretungen für einen großen Gewinn. Schule sei oft hierarchisch. So kann der Schulleiter alleine bestimmen, welche Veranstaltungen stattfinden dürfen. Das Mitspracherecht der Schülervertreter mache das System ein Stück demokratischer. Die Schüler würden Unabhängigkeit erleben, was aus Sicht des Erziehungswissenschaftlers für ihre Entwicklung sehr förderlich sei. Außerdem würden Jugendliche davon profitieren, Konflikte untereinander selbst zu lösen. "Die Forschung zeigt hier vielfach, dass Gleichaltrige von Gleichaltrigen sehr gut lernen können", erklärt Prof. Dr. Sailer. Der Schulbetrieb wiederum erhalte "wertvolle Rückmeldungen" von Seiten der Schüler.
Noch mehr Engagement gefordert
Max Deisenhofer, der bildungspolitische Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag, zur Bedeutung der Schülervertreter: "Schülervertretungen sind sehr wichtig, weil die Arbeit in der Schule ja zum Wohle der jungen Menschen geschehen soll. Ich würde den Schülervertretern raten, diese Arbeit weiter auszubauen und proaktiv auf die Abgeordneten zu zugehen. Denn die Herausforderung, unser Bildungssystem fit fürs 21. Jahrhundert zu machen, ist größer denn je!"
Schlechtere Möglichkeiten für Schüler
Matthias Fischbach, der bildungspolitische Sprecher der FDP im Bayerischen Landtag, zur Zusammenarbeit mit Schülervertretern: "Ich tausche mich regelmäßig mit Schülervertretern aus. Mit dem Landesschülerrat habe ich während der ersten Schulschließung eine Instagram-Veranstaltung durchgeführt. Dabei kamen viele Jugendliche zu Wort, auf die wir gemeinsam eingingen. Doch leider haben Schüler schlechtere Möglichkeiten, sich so zu etablieren wie Lehrerverbände, deren Vorsitzende über Jahre in führender Position sind."